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September 2011

Elisabeth-Preis der Diakonie in Hessen geht an Jugenheimer Projekt „Aktiv leben mit Demenz“

Jahresempfang der beiden Diakonischen Werke und Preisverleihung der Diakonie-Stiftung in Marburger Stadthalle


Die Preisträger mit den Laudatoren.
 

Die Preisträger mit den Laudatoren.

Das Jugenheimer Projekt „Aktiv leben mit Demenz – Altes Forstamt“ ist Preisträger des erstmals vergebenen Elisabeth-Preises in Hessen. In der Marburger Stadthalle nahmen Verantwortliche des Projekts die Urkunde des Preises entgegen, der zukunftsweisende Ideen, Konzepte und Projekte in der sozialen Arbeit auszeichnet. Vertreter der Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau, die den Preis gemeinsam mit den Diakonischen Werken in Hessen und Nassau (DWHN) sowie Kurhessen-Waldeck (DWKW) vergibt, überreichten insgesamt vier Preisträgern die Urkunden. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Jahresempfangs der beiden Diakonie¬verbände in Hessen statt, den diese erstmals gemeinsam veranstalteten. Der Preis ist mit insgesamt 12.000 Euro dotiert, 6.000 gehen an den ersten Preis.
Den zweiten Preis teilen sich das Projekt „Wohnbereich Seckbacher AU“ der Inneren Mission Frankfurt am Main und das Marburger Projekt „Das Familienhaus“ des Elisabeth-Vereins Marburg. Die Projekte erhalten jeweils 3.000 Euro. Einen einmaligen Zusatzpreis in Höhe von 1.000 Euro erhält das Rimbacher Projekt  „Brunnengasse – Hilfen aus einer Hand“ des Diakonischen Werks Bergstraße.

Gern und Schwarz: „Freiwilliges Engagement ist soziale Arbeit eigener Qualität und bereichert professionelle soziale Arbeit“

Der gemeinsame Jahresempfang der beiden Diakonischen Werke gilt als wichtiges Zeichen für die im Januar 2013 geplante Fusion der Verbände. Er war in Anlehnung an das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 unter das Motto gestellt worden: „Gaben entfalten – Engagement gestalten“. Auszüge aus dem Musical „Der Teufel und die Heilige“ über das Wirken der Elisabeth von Thüringen von und mit Fabian Vogt sowie Interviews mit so genannten Botschafterinnen und Botschaftern für das Freiwillige Engagement, die in verschiedenen Feldern der Diakonie ehrenamtlich tätig sind und darüber berichteten, gehörten unter anderem in das Programm und beleuchteten das Freiwillige Engagement in Kirche und Diakonie. Die Moderation hatte Petra Nagel vom Hessischen Rundfunk.
„Das Ehrenamt gehört zu den konstitutiven Wurzeln kirchlicher und diakonischer Arbeit. Lange vor der hauptberuflichen Organisation diakonischer Dienste gibt es das biblisch motivierte mitmenschliche Handeln, für andere da zu sein, nicht nur im Sinne des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen‘. Für uns ist das vielfältige freiwillige Engagement eine soziale Arbeit eigener Qualität. Es kann und soll die professionelle soziale Arbeit nicht ersetzen, aber es erweitert und bereichert sie. Die Bereitschaft zum Ehrenamt ist in Deutschland glücklicherweise ungebrochen hoch. Ohne dieses Engagement wäre unsere Arbeit nicht so erfolgreich wie sie es ist“, betonten Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender des DWHN, und Landespfarrer  Dr. Eberhard Schwarz (DWKW) unisono.
Als Vertreter der Landesregierung dankte Staatssekretär Dr. Rudolf Kriszeleit vom Hessischen Ministerium der Justiz, für Integration und Europa dem Diakonischen Werk in Hessen und Nassau sowie dem Diakonischen Werk in Kurhessen-Waldeck für die geleistete Arbeit im Sozialbereich. „Die Diakonie ist ein wichtiger Partner, aber auch eine wertvolle und kritische Begleitung der Hessischen Landesregierung.“, so Kriszeleit. Er betonte: „Das Diakonische Werk versteht es, Menschen zu motivieren, ihren Glauben zu leben und sich für die Gesellschaft zu engagieren. Dies ist praktizierte Nächstenliebe und hat Vorbildwirkung.“, sagte der Staatssekretär.

Diakonie-Gottesdienst mit Bischof Dr. Hein und Kirchenpräsident Dr. Jung

Den Auftakt des Tages bildete zuvor ein gemeinsamer Diakonie-Gottesdienst in der Marburger Elisabethkirche, den der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, und der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, gemeinsam feierten. In seiner Predigt über Markus 3,31-35 betonte Bischof Dr. Martin Hein, dass die von Jesus in die "größere Familie" gerufenen Menschen in Diakonie und Kirche die Verantwortung füreinander wahrnähmen. Das gelte nicht nur für die professionell Tätigen, sondern auch und gerade für die vielen Ehrenamtlichen. Dafür, dass es so viele seien, und zwar mehr, als man meine, können die Evangelischen Kirchen und die Diakonischen Werke in Hessen dankbar sein. Im gemeinsamen Fragen nach dem Willen Gottes übernähmen viele ganz konkret Verantwortung, in dem sie die Gaben, die Gott ihnen anvertraut habe, und ihr Engagement, das daraus erwachse, für die Gesellschaft einsetzten. „Wir sind in Christus Schwestern und Brüder – und werden es für andere“, so der Bischof.

Stichworte: Elisabeth-Preis / Preisträger – Laudatio Stiftungsvorsitzender Rudolf Herfurth – Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau

a)    Stichwort Elisabeth-Preis / Preisträger
Elisabeth-Preis:
Die Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau vergibt in Kooperation mit den Diakonischen Werken in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck den "Förderpreis der Diakonie in Hessen 2011", den so genannten „Elisabeth-Preis“. Das Preisgeld beträgt 12.000 Euro. Es kann auf mehrere Preisträger aufgeteilt werden. Ausgezeichnet werden zukunftsweisende Ideen, Konzepte und Projekte zu den folgenden Themen: Starke Familien – starke Kinder; Würde bewahren – trotz Alter und Krankheit. Der-Preis wird ausgeschrieben für Personen und Initiativen in Hessen, die Anstöße für solche zukunftsweisenden Ideen und Konzepte gegeben haben oder für ihre nachhaltige Durchsetzung stehen. Das Preisgeld soll deren Verbreitung dienen.
Elisabeth-Preis – Die Preisträger:


•    Erster Preis, 6.000 Euro
Projekt „Aktiv leben mit Demenz – Altes Forstamt“, Jugenheim

Dieses Projekt  des Fördervereins Diakoniestation Nördliche Bergstraße e.V. verbindet räumlich und inhaltlich eine Sonderwohnform für Menschen mit Demenz mit einem Familienzentrum und einem Begegnungsort für junge Menschen. Die ideale Lage des Gebäudes in der Ortsmitte erleichtert und fördert die Teilhabebedürfnisse der Bewohner genauso wie den Kontakt und die Begegnung mit den Kindern und Besuchern des Familienzentrums. Die Bewohner bringen ihre Fähigkeiten und Gewohnheiten ein. Angehörige, Betreuer und Pflegekräfte sind Gäste. Das Forsthaus, seine Bewohner, deren Familien und andere Nutzer tragen regelmäßig zum kulturellen Leben der Kommune bei: Lesungen, Vorträge, Basare und andere Kulturveranstaltungen laden Nachbarn und Gemeinde ein und bereichern die Begegnungsmöglichkeiten und Kontakte der Menschen mit Demenz. Die Begegnungen mit den Betreuungsgruppen der unter Dreijährigen des Frauen- und Familienzentrums sowie einer Jugendgruppe der Deutschen Waldjugend entsprechen dem  Inklusionsanspruch.


•    Zweiter Preis (geteilt), 3.000 Euro
Projekt „Wohnbereich Seckbacher AU“ der Inneren Mission Frankfurt am Main

Seit bald 50 Jahren engagiert sich das Hufeland-Haus für eine gute Versorgung alter und bedürftiger Menschen in Frankfurt am Main. Angesichts der zu erwartenden Zunahme von Bewohnern mit Demenz wurde das Hufeland-Haus baulich entsprechend für diese Anforderungen gerüstet. Das Konzept verfolgt auch das Ziel, die Bewohner weitestgehend ohne freiheitseinschränkende Maßnahmen zu betreuen. Es handelt sich um einen Bereich, in dem den Bewohnern ausreichend Bewegungsalternativen angeboten werden. Ein großer Wohnbereich wird in zwei Betreuungsbereiche aufgeteilt, einen Demenzbereich für mobile Bewohner (14 Plätze), der durch seine Ausstattung, seinen Zugang zum beschützten Garten und speziell geschulte Mitarbeitende geprägt ist, und eine Tagesoase (acht Plätze), in der immobile Bewohner mit weit fortgeschrittener demenzieller Erkrankung ihren Lebensort finden.
Mit diesem Konzept unterscheiden sich die Aktivitäten des Hufeland-Hauses von anderen Konzepten. Es stellt ein Phasenkonzept dar:  d. h. Menschen mit Demenz werden je nach Fortschritt und Symptomatik in eigenen Räumlichkeiten  von einem vertrauten Team betreut. Schließlich ist das Konzept so angelegt, dass es offen und entwicklungsfähig ist. Damit ist eine fallbezogene Anwendung je nach der individuellen Bedarfslage eines Bewohners gegeben.


•    Zweiter Preis (geteilt),  3.000 Euro
Projekt „Das Familienhaus“ des Elisabeth-Vereins Marburg

Das Projekt „Familienhaus“ versteht sich als Versuch, angesichts steigender Zahlen von Familien mit Problemen in produktiver Weise zu reagieren. Es ist in seiner Konzeption in der Bundesrepublik einzigartig und richtungweisend. Im Familienhaus werden Familien betreut,
-     deren Kinder in der Vitos Klinik Lahnhöhe behandelt werden und an deren Behandlung sich eine Hilfe zur Erziehung anschließen soll;
-     in denen ein Elternteil in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie behandelt wird und deren Familienmitglieder sich mit der Diagnose der psychischen Erkrankung auseinandersetzen müssen, um den Familienalltag mit der Erkrankung so zu gestalten, dass die Entwicklung und das Wohl der Kinder nicht gefährdet ist;
-     denen nach Beratung durch das Jugendamt eine stationäre Hilfe zur Erziehung für ihr Kind empfohlen wird, jedoch gleichzeitig Ansätze und Voraussetzungen zu erkennen sind, dass die elterlichen Kompetenzen und/oder seelischen Dispositionen erweiterungsfähig sind.
Beispielgebend an diesem Projekt ist die enge Verzahnung von Fachkräften der Jugendhilfe und der Psychiatrie. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet.

•    Sonderpreis, 1.000 Euro (einmalig vergeben)
Projekt  „Brunnengasse – Hilfen aus einer Hand“, Rimbach, Diakonisches Werk Bergstraße

Die Arbeit mit psychisch kranken Menschen ist seit 25 Jahren einer der Arbeitsschwerpunkte des Diakonischen Werks Bergstraße. Vor dem Auf- und Ausbau der gemeindepsychiatrischen Dienste wurden psychisch kranke Menschen durch die Allgemeine Lebensberatung des Diakonischen Werks unterstützt. Das „Wohnprojekt Brunnengasse“ in Rimbach hat zum einen das Ziel, die Wohn- und Lebenssituation von Familien zu verbessern, die von psychischer Erkrankung betroffen sind und intensive professionelle Unterstützung benötigen und wünschen. Kinder, bei denen ein Elternteil psychisch erkrankt ist, sind besonders gefährdet, was ihre eigene psychische Entwicklung anbetrifft. Psychisch kranke Eltern haben aber in der Regel sowohl eine Beziehung zum als auch ein Interesse am Kind. Sie können dessen kontinuierliche emotionale und psychische Versorgung nicht durchgehend leisten. Das Angebot des Betreuten Wohnens für die ganze Familie trägt dieser Situation Rechnung, vernachlässigt aber nicht Ressourcen, die in der Familie vorhanden sind.

Weitere Informationen über die Preisträger gibt es bei Bernd Kreh, Referent für Fundraising und Stiftung, DWHN, 069 7947-240.


b)    Laudatio Rudolf Herfurth, Vorsitzender des Stiftungsvorstands

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau, der Frankfurter Rechtsanwalt Rudolf Herfurth, sagte zur Verleihung des Elisabeth-Preises unter anderem:
„Wir freuen uns, dass wir in diesem Jahr erstmals den Elisabeth-Preis vergeben können, initiiert von der Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau. Der Förderpreis wird an Personen, Personen-gruppen und Einrichtungen im Bundesland Hessen verliehen, die Anstöße für zukunftsweisenden Ideen und Konzepte gegeben haben oder für ihre nachhaltige Durchsetzung stehen. Wir wollen mit dem Preisgeld deren Verbreitung und Umsetzung unterstützen und sind froh, in den beiden Diakonischen Werken in Hessen Mitstreiter gefunden zu haben, die den Preis finanziell wie inhaltlich unterstützen und fördern. Denn das in den Projekten gezeigte Engagement ist lebensnotwendig für ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft."


c)    Stichwort: Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau

Die Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau wurde zur Förderung aller diakonischen Zwecke im Bereich der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ins Leben gerufen. Dies kann durch Zustiftungen und durch Spenden geschehen. Die Stiftung hat die folgenden Arbeitsschwerpunkte:
1. Sie ist Dienstleister für regionale diakonische Initiativen und soll die einfache, kostengünstige Gründung und Führung von regionalen Unterstiftungen ermöglichen. Hierzu sollen unterschiedliche Beratungsangebote aus einer Hand angeboten werden und die treuhänderische Verwaltung von Unterstiftungen übernommen werden.
2. Sie baut landesweite, thematisch festgelegte Stiftungsfonds auf wie DiaDem – Hilfen für demenzkranke Menschen und ihre Angehörigen und DiaKids – starke Familien – starke Kinder. DiaJobs soll ab dem Jahr 2011 Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf unterstützen.
3. Sie will neue soziale Konzepte und Initiativen fördern, die für die soziale Arbeit Innovationen befördern oder auch neue Hilfeangebote abdecken, die gesetzlich noch keine Förderung erfahren.

Informieren Sie sich unter: www.sinn-stiften.de

Dem Stiftungsvorstand gehören an: Vorstandsvorsitzender Rudolf Herfurth, Rechtsanwalt; stellvertretender Vorstandsvorsitzender: Prof. Bernhard Meyer; Stiftungsdirektor: Wilfried Knapp, Vorstand DWHN.


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